Interview mit Manfred Huber Redakteur
Hallo Manfred, schön das ich Dich von diesem Interview überzeugen konnte.
Deswegen wollen wir auch gleich mal loslegen...
AJ: Seit wann
beschäftigst Du Dich eigentlich mit Computern und Konsolen und was sind Deine
aktuellen Lieblingsspiele an PC, Amiga und Konsole?
MH: Ich muss so ca. 12 Jahre alt gewesen sein, da haben mich meine Eltern in
ein Sommercamp gesteckt. Meine Begeisterung hielt sich in Grenzen, irgendwo
konnte ich den angebotenen Sportaktivitäten so gar nichts abgewinnen. Aber es
gab da auch einen Computerkurs am C64 und von der Kiste war ich sofort
fasziniert. In erster Linie haben wir BASIC gelernt, aber in der Pause durften
wir auch mal spielen. Ich erinnere mich an ein Game wo man als Frosch Bäume
hinauf hüpfen musste. Und war man zu langsam, kam ein großer Drache... Dürfte
Booga-Boo gewesen sein. Jedenfalls haben sich meine Eltern mit dem Campbesuch
ein schönes Ei gelegt, nach meiner Rückkehr war klar, dass ich unbedingt auch
so einen Computer brauche. Ich hab dann die typische Gamer-Karriere mitgemacht
vom C64 über den Amiga zum PC. Heute spiel ich privat hauptsächlich auf der
Xbox 360, berufsbedingt hab ich natürlich auch PS3 und Wii im Einsatz. Nach
meinem aktuellen Lieblingsspiel braucht Ihr zwei Wochen nach dem GTA-IV-Release
eigentlich nicht zu fragen… ;-)
AJ: Bist Du eigentlich immer
noch Redakteur für Computer Magazine oder gehst Du inzwischen einer anderen
Beschäftigung nach?
MH: Mich hat’s nach dem Job beim Joker zurück in meine Heimatstadt Wien
verschlagen, wo ich für das Spiele-Ressort von E-MEDIA schreibe. Das Heft
erscheint nur in Österreich, was erklärt warum Eure deutschen Leser jetzt
gerade denken: „Nie gehört“...
AJ: Du warst
ja auch mal Redakteur beim berühmten Joker Verlag. Wann hast Du dort
eigentlich angefangen und bei welchen Magazin (Amiga Joker, PC Joker,
Multimedia Joker, Megablast, Sonderhefte, etc.) hast Du
mitgewirkt?
MH: Als ich dazugestoßen bin, gab’s nur mehr den PC Joker. Das war im
Herbst 1998. Ich habe mich da in erster Linie um die Heft-CD gekümmert und in
der verbleibenden Zeit aber auch den ein oder anderen Test verfasst.
AJ: Wie bist Du damals überhaupt zum
Joker Verlag gekommen?
MH: Mit der S-Bahn, ein Auto konnte ich mir bei meinem kargen Gehalt nicht
leisten. (Ok, ok, ich weiß: Wahrscheinlich bin ich weder der erste noch der
letzte der diesen blöden Schmäh bringt...) Scherz beiseite: Ich war jahrelanger
begeisterter Joker-Leser und wie ich in einer Ausgabe eine Stellenausschreibung
seh, denk ich so bei mir: Bewirb Du Dich einfach mal. Wenn sie Dich zu einem
Bewerbungsgespräch einladen, siehst Du mal die Redaktion. Dass ich den Job
wirklich bekomme, daran hab ich im Traum nicht gedacht. Hat dann aber wirklich
geklappt.
AJ: Wie würdest Du rückblickend
das Klima beim Joker Verlag beschreiben? Als ehemaliger Joker-Leser kam es
mir immer so vor als wäre der Joker Verlag der lustigste und bunteste
Ort gewesen den man sich vorstellen kann. War dem so?
MH: Ich hab an diese Zeit nur positive Erinnerungen. Und das liegt sicher nicht
daran dass der Mensch dazu tendiert negative Erfahrungen auszublenden. Es ging
familiärer zu als in jedem anderen Job den ich davor oder danach hatte. Klar
war ich gelegentlich säuerlich wenn Michael wieder mal eine meiner Wertungen
overruled hat. Im Nachhinein betrachtet war das aber Jammern auf hohem Niveau
und Michael einer der fairsten Bosse die ich jemals hatte. Er hat jede
Textänderung mit dem Redakteur besprochen (sollte eigentlich selbstverständlich
sein, ist aber nicht überall so) und in Wahrheit konnte er jedes seiner
Wertungsvetos auch begründen („So wie Du das schreibst, ist das aber
keine 78“…)
AJ: Hast Du noch Kontakt zu den
ehemaligen Joker-Redakteuren?
MH: Sporadisch. Einige hab ich in meiner Xbox Live Friends list, gelegentlich
läuft man sich schon mal beruflich über den Weg.
AJ: Alljährlich findet ja der berühmte "Adlertag" in der
Nähe von München statt, wo sich die ehemaligen Joker-Redakteure
treffen und vermutlich auch über die alten Zeiten sprechen. Nimmst Du an
diesen Treffen auch teil?
MH: Einmal war ich dabei. Als Wiener hab ich eine etwas weite Anreise, außerdem
findet der Adlertag ja im Dezember statt. Da ist in der Branche so viel zu tun,
dass ein Kurztrip nach München leider schwer drin ist.
AJ: Warst Du eigentlich bis zum bitteren Ende beim Joker
Verlag oder hast Du schon vorher das sinkende Schiff verlassen und wie
hast Du persönlich das Ende des Jokers empfunden?
MH: Ich habe den Joker Verlag schon im Frühjahr 2000 verlassen weil sich die
Chance in Wien aufgetan hat. Dass es den Joker nur mehr ein halbes Jahr geben
würde, konnte ich zu dem Zeitpunkt aber nicht ahnen. Apropos „sinkendes
Schiff“. Das erinnert mich an eine ungute Mail die ich anlässlich des
Joker-Endes von einem „Fan“ bekam. Ich war so perplex dass ich
Jahre später noch ziemlich wortgleich wiedergeben kann, was der gute Mann mir
schrieb: „Die Ratten verlassen das sinkende Schiff zuerst. Ich wünsche
Ihnen, dass Ihr neuer Arbeitgeber auch bald pleite geht!“ Irgendwo toll
wie emotional die Leser dem Heft verbunden waren, das fand ich dann aber doch
ein wenig übertrieben…
AJ: Hast Du
noch einige Joker Hefte oder sind sie inzwischem dem Altpapier zum Opfer
gefallen?
MH: Ich bin zwischenzeitlich umgezogen und habe bei der Gelegenheit die meisten
alten Zeitschriften (ASM, Powerplay, Happy Computer…) entsorgt. Die
Amiga- und PC Joker habe ich natürlich behalten und in stilechten Sammelordnern
verstaut. Heute könnte ich mich schlagen die alten Hefte weggeworfen zu haben,
ich würde gern wieder mal darin blättern.
AJ: Dir ist bestimmt nicht entgangen das es von April 2003 bis
März 2004 ein Spielemagazin Namens "Der neue PC Joker" gab (www.pc-joker.net) das nichts mit dem alten
Joker zutun hatte. Auch er ist inzwischen untergegangen. Wie war Deine
Meinung zu diesem "Relaunch" des PC Joker?
MH: Ehrlich gesagt, kann ich nicht mal mit Sicherheit sagen ob ich jemals eine
Ausgabe in der Hand hatte. Wär‘s ein „richtiger“ Joker mit
alter Mannschaft oder Michael als Chef gewesen, hätt ich sicher reingeguckt,
aber so…
AJ: Bist Du, was Computer- und Videospiele
betrifft, eher der "Oldschool'er" der sich noch vom Amiga oder C64
begeistern lassen kann oder gehörst Du eher zu den Next Generation-Zockern die
lieber am High-End-PC oder an der PS3, Wii, Xbox, etc. zocken?
MH: Ich denk schon noch wehmütig an die guten alten Zeiten zurück, mein
C64-Original von Pirates! hat hier immer noch einen Ehrenplatz im Regal. Erst
unlängst hab ich in einem wehmütigen „früher war alles besser“
Anfall stundenlang „Kingdoms of England“ am Amiga-Emulator gezockt.
Leider haben Emulatoren aber auch einen unangenehmen Nebeneffekt. Mitunter
merkt man, dass ein in der Erinnerung verklärtes Spiel eigentlich doch nicht so
toll war.
AJ: Wie sieht Dein
privater Hardware-Fuhrpark aus? Hast du noch alte Rechner wie C64, Atari oder Amiga?
MH: Mein Amiga 1200 steht gut verstaut im Keller. Keine Ahnung ob er noch
funktioniert, selbst wenn könnte ich aber mangels passenden Monitors nicht viel
damit anfangen. Gottseidank gibt es Emulatoren.
AJ: Hast Du mit dem Thema "Joker" abgeschlossen oder denkst
Du doch gelegentlich mal an die guten, alten Zeiten
zurück?
MH: Es bringt ja nichts über vergossene Milch zu weinen, wie ein englisches
Sprichwort so schön sagt. War eine schöne Zeit, ist aber vorbei.
AJ: Was hälst Du von der Idee AmigaJoker.de bei
dem es u.a. auch um rund um das Thema Joker Verlag geht? Würdest Du
Dich dort ggf. mal als Ehrengast sehen lassen?
MH: Ich hatte schon mal einen „Ehren-Account“, den habt Ihr mir
aber gecancelt weil ich jahrelang nicht eingeloggt war :-P
AJ: Manfred, ich bedanke mich für das nette Interview und
wünsche Dir weiterhin alles Gute und viel Erfolg für die
Zukunft!
MH: Danke fürs Zuhören, war witzig mal zur Abwechslung ein Interview zu geben
statt zu führen. Ich wünsche Euch und Euren Lesern alles Gute, unglaublich dass
der Joker noch so langer Zeit noch so treue Fans hat.
Copyright © by AmigaJoker.de - Das Portal für Amigafans! Alle Rechte vorbehalten. Publiziert am: 2008-06-21 (2004 mal gelesen) [ Zurück ]
|