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Interview mit Mick Schnelle
Redakteur




Hallo Mick, schön das ich Dich von diesem Interview überzeugen konnte. Deswegen wollen wir auch gleich mal loslegen...

AJ: Seit wann beschäftigst Du Dich eigentlich mit Computern und Konsolen und was sind Deine aktuellen Lieblingsspiele an PC, Amiga und Konsole?
MS: Ich habe 1978 mein allererstes Telespiel bekommen, so hießen die Dinger damals. Darauf konnte man Tennis und Fußball spielen, bzw. das, was man eben so mit einfarbigen Strichen auf dem Bildschirm darstellen konnte. Ach ja, es lag auch noch ein Gewehr bei, mit dem ballerte man auf einen sich bewegenden Punkt. Ziemlich coole Sache damals. Bis ich rausfand, das es auch reichte, einfach auf das eingeblendete Ergebnis zu feuern, das klappte auch… Allerdings wahr danach der Spielspaß irgendwie raus. Mein aktuelles Lieblingsspiel auf dem PC ist mit Abstand Puzzle Quest, auf der PS3 spiele ich gerade mit viel Vergnügen Uncharted: Drakes Schicksal, auf Xbox 360 Asassin’s Creed und auf Wii Trauma Center: Second Opinion. Wenn ich je einen Amiga besessen hätte, wäre der mittlerweile doch wahrscheinlich längst zu Staub zerfallen.

AJ: Bist Du eigentlich immer noch Redakteur für Computer Magazine oder gehst Du inzwischen einer anderen Beschäftigung nach?
MS: Jein. Ich arbeite derzeit als freier Journalist für verschiedene Magazine, wie Buffed, Bravo Screenfun und Eurogamer und ich fertige Expertisen für Spiele an, die sich noch in der Entwicklung befinden. Allerdings wandert derzeit ein Großteil meiner Arbeit in Übersetzungen von Romanen. Ich habe alle WoW-Romane, die WoW-Comics, Hitman, Mass Effect und den zweiten Band der Hellgate: London-Trilogie für den Panini Verlag ins Deutsche übertragen.

AJ: Du warst ja auch mal Redakteur beim berühmten Joker Verlag. Wann hast Du dort eigentlich angefangen und bei welchen Magazin (Amiga Joker, PC Joker, Multimedia Joker, Megablast, Sonderhefte, etc.) hast Du mitgewirkt?

MS: Im Mai 1993 stand ich beim Joker Verlag auf der noch neuen Matte des frisch bezogenen Gebäudes am Bretonischen Ring in Vaterstetten. Wie alle anderen habe ich an allen Heften mitgearbeitet. Egal ob Amiga Joker, dem damals noch neuen PC Joker, Megablast, Multimedia Joker und den diversen Sonderheften.

AJ: Wie bist Du damals überhaupt zum Joker Verlag gekommen?

MS: Ich hatte mich gerade bei der PC Player beworben und wollte die schöne Bewerbung nicht verkommen lassen. Also habe ich sie auch noch zu Markt & Technik (Happy Computer, Powerplay, Video Games) und eben dem Joker Verlag geschickt. Rückblickend ist es ein wahres Wunder, dass, trotzdem ich so ziemlich jeden Bewerbungsfehler gemacht habe, der mir so gerade einfällt, bereits nach zwei Tagen Michael Labiner anrief. Er vereinbarte ein Vorstellungsgespräch und war damit deutlich schneller als die Konkurrenz. Obwohl, ganz so war es eigentlich gar nicht. Das Gespräch am Telefon verlief ungefähr so »Hallo, mein Name ist Labiner. Sie hatten sich bei uns als Redakteur beworben. Hören Sie zu: Ich kenne Sie nicht und weiß nicht was sie können. Aber wir können’s ja mal miteinander versuchen, wir sehen dann schon, ob es klappt. Wollen Sie noch zu einem Vorstellungsgespräch vorbeikommen?« Mir kam das etwas unheimlich vor, aber ich sagte zu und eine Woche später empfing mich Michael in den geheiligten Joker Hallen. Drei Wochen später war dann mein erster Arbeitstag.

AJ: Wie würdest Du rückblickend das Klima beim Joker Verlag beschreiben? Als ehemaliger Joker-Leser kam es mir immer so vor als wäre der Joker Verlag der lustigste und bunteste Ort gewesen den man sich vorstellen kann. War dem so?

MS: He, he, nein, der lustigste und bunteste Ort war der Joker Verlag sicherlich nicht. Dafür gab es zu viele trübe Tage. Aber es ging damals dort ziemlich familiär zu. Der Verlag war klein und überschaubar und ich wurde von den Kollegen und den Labiners sehr herzlich und freundlich aufgenommen. Ich hatte ja keine Ahnung von der Branche, aber das war nicht so schlimm. Das Wesentliche lernte ich in den ersten sechs Wochen. Heute im Rückblick kann ich sagen, vom Betriebsklima her, war der Joker Verlag anfangs schon sehr einzigartig. Das änderte sich aber im Laufe der Zeit, als die Geschäfte schlechter zu laufen begannen. Aber selbst als ich im Mai 1996 zur PC Player wechselte, fiel mir der Abschied schon schwer.

AJ: Hast Du noch Kontakt zu den ehemaligen Joker-Redakteuren?
MS: Kaum. Steffen und Markus sehe ich gelegentlich. Joe samt Gattin auch ab und an. Aber den Rest habe ich seit Jahren nicht mehr gesehen.

AJ: Alljährlich findet ja der berühmte "Adlertag" in der Nähe von München statt, wo sich die ehemaligen Joker-Redakteure treffen und vermutlich auch über die alten Zeiten sprechen. Nimmst Du an diesen Treffen auch teil?

MS: Nein, das ist wahrscheinlich der Grund, warum ich die meisten kaum noch sehe. Aber im Laufe der Jahre hatte ich oft keine Zeit wenn der Adlertag stattfand. Außerdem fühle ich mich dabei immer ein wenig deplatziert, weil ich den Adlertag nicht mehr beim Joker Verlag miterlebt habe. Da war ich ja schon lange bei GameStar. Die Leute, die beim Joker-Untergang damals hautnah dabei waren verbindet, glaube ich, ein besonderes Band.

AJ: Warst Du eigentlich bis zum bitteren Ende beim Joker Verlag oder hast Du schon vorher das sinkende Schiff verlassen und wie hast Du persönlich das Ende des Jokers empfunden?

MS: Ich bin Ende Mai 1996 zur PC Player gegangen. Und im Juli 1997 zur GameStar, obwohl das Heft damals noch keinen Namen hatte. Seinerzeit war der Zeitschriftenmarkt ziemlich im Umbruch. Die wenigsten wissen, dass IDG seinerzeit den Joker Verlag aufkaufen wollte, um mit dem Namen ein neues Spielemagazin zu machen. Doch dazu kam es nicht, weshalb dort GameStar aus der Taufe gehoben wurde. Vom Untergang war der Joker Verlag 1996 aber noch ein Stück entfernt, obwohl schon Unruhe zu spüren war, weil der PC Joker nicht wie erwartet lief und neue Hefte wie der Multimedia Joker eingestellt werden mussten. Als ich ging wurde gerade dieses Internetheft gegründet, aber damit hatte ich schon nichts mehr zu tun. Etwas Ironie am Rande: Gerade war ich auch wegen der unruhigen Lage zur PC Player gewechselt, als es auch dort begann stürmisch zu werden. Wesentliche Leute wie Boris Schneider und Heinrich Lenhardt verließen den Verlag. Das war ein unruhiges Jahr, bis ich schließlich bei GameStar landete. Als der Joker Verlag im Jahr 2000 dann tatsächlich von heute auf morgen zugemacht wurde, hat mich das schon erschüttert, weil ich ehrlich gesagt nicht mehr damit gerechnet hatte. Irgendwie in meinem Hinterkopf war der Joker eine feste Größe, die irgendwie immer da ist. Obwohl ich die miesen Verkaufszahlen natürlich kannte. Mir taten die Kollegen leid, aber die meisten fanden ja zum Glück recht schnell etwas Neues.

AJ: Hast Du noch einige Joker Hefte oder sind sie inzwischem dem Altpapier zum Opfer gefallen?
MS: Irgendwo in den Tiefen meines Archivs müsste noch die Jubiläumsausgabe (das war glaube ich zur 100sten Ausgabe) rumliegen. Die hat mir Michael, obwohl ich damals schon wo anders arbeitete, sogar extra zusammen mit einem Pikkolo Sekt zugeschickt. Eine sehr schöne Geste, wie ich finde. Andere Heft habe ich aber nicht mehr.


AJ: Dir ist bestimmt nicht entgangen das es von April 2003 bis März 2004 ein Spielemagazin Namens "Der neue PC Joker" gab (www.pc-joker.net) das nichts mit dem alten Joker zutun hatte. Auch er ist inzwischen untergegangen. Wie war Deine Meinung zu diesem "Relaunch" des PC Joker?
MS: Das war eine kümmerliche Ein-Mann-Geschichte, die ich nie ganz verstanden habe. Der Original-Joker ist seinerzeit mangels Auflage eingegangen, weil es zu wenige Leser dafür gab. Welchen Sinn und Zweck hat es dann ein Heft gleichen Namens rauszubringen, um diese doch offensichtlich zu kleine Zielgruppe anzusprechen? Vor allem, weil die echten Jokerfans ja zwangsläufig von dieser Mogelnummer enttäuscht sein mussten. Ich weiß nicht, wer auf diese Idee verfallen ist. Viel Ahnung vom Geschäft schien der aber nicht zu haben.

AJ: Bist Du, was Computer- und Videospiele betrifft, eher der "Oldschool'er" der sich noch vom Amiga oder C64 begeistern lassen kann oder gehörst Du eher zu den Next Generation-Zockern die lieber am High-End-PC oder an der PS2 zocken?

MS: Ich mag diese Einteilung nicht, das ist mir zu sehr von elitärem Klüngeldenken beherrscht. Es gab und gibt immer gute und schlechte Spiele, ganz egal auf welchem System. Ab und zu krame ich schon mal alte Sachen raus und spiele das eine oder andere, allein schon, um mich vom nostalgisch verklärten Blick zu befreien. Denn mal ehrlich: Auch früher war bei weitem nicht alles Gold. Und was damals toll war, ist heute oftmals glatt unspielbar. Aber einer Runde Red Storm Rising oder dem einen oder anderen Final Fatansy bin ich nach wie vor nicht abgeneigt.Und PS2-Spiele sind ja mittlerweile auch eher „Old School“, wenn man denn diese Einteilung benutzen will. ;-)

AJ: Wie sieht Dein privater Hardware-Fuhrpark aus? Hast du noch alte Rechner wie C64, Atari oder Amiga?
MS: Nö, das alte Zeugs habe ich nicht mehr. Dafür habe ich einfach keinen Platz. Außer PC, Wii, Xbox 360 und PS 3 habe ich alles wohl verpackt in Kisten liegen. C64, Atari ST oder Amiga sind da überhaupt nicht mehr bei. Das älteste was ich besitze ist ein Master System.

AJ: Was ist eigentlich aus den ganzen Spielen geworden, die sich damals in Joker-Archiv befanden?
MS: Die sind teilweise bei An- und Verkaufshändlern aufgetaucht, wie ich gehört habe. Wurden wohl im Rahmen der Konkursmasse seinerzeit an diese Typen verkauft.

AJ: Hast Du mit dem Thema "Joker" abgeschlossen oder denkst Du doch gelegentlich mal an die guten, alten Zeiten zurück?

MS: Klar denke ich gern an die Zeiten zurück. Da hängen eine ganze Menge Erinnerungen dran. Damals waren wir ziemlich naiv und unbedarft und haben auch ne Menge Blödsinn gemacht. Allein schon die ganzen Kneipenabende mit Steffen, meinem Bruder und Richie vergesse ich so schnell nicht. Und spätestens beim 25jährigen Jubiläum werde ich auch mal die Geschichte vom »Schmelzer« zum Besten geben, wenn es bis dahin nicht schon jemand anderes gemacht hat.

AJ: Was hälst Du von der Idee AmigaJoker.de bei dem es u.a. auch um rund um das Thema Joker Verlag geht? Würdest Du Dich dort ggf. mal als Ehrengast sehen lassen?

MS: Klar, warum nicht? Wenn du zu meinen Ehren eine eigene Statue errichtest. ;-) Mal im Ernst: Ich bin in solchen Dingen eine ziemlich faule und treulose Tomate. Es kann gut passieren, dass ich monatelang da nicht auftauche, aber ich gucke auch jetzt schon ab und zu dort gerne mal vorbei. Schließlich ist das ja auch Teil meiner eigenen Historie. Ich weiß auch die viele Arbeit sehr zu schätzen, die zwangsläufig in so ein Projekt fließt. Dafür gebührt dir mein Respekt. Und natürlich ist es sehr schmeichelhaft, dass auch nach so langer Zeit immer noch treue Jokerfans hier mitlesen und sich für einen alten Knochen wie mich interessieren.

AJ: Mick, ich bedanke mich für das nette Interview und wünsche Dir weiterhin alles Gute und viel Erfolg für die Zukunft!

MS: Nix zu danken. Wünsch euch noch viel Spaß und Erfolg mit AmigaJoker.de!









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Publiziert am: 2008-04-06 (3274 mal gelesen)

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