Redakteur der ehem. ASM (Aktueller Software Markt)
Hallo Manfred, schön das ich Dich von diesem Interview überzeugen konnte.
Deswegen wollen wir auch gleich mal loslegen...
AJ: Wer ist damals überhaupt auf die Idee gekommen,
eine Zeitschrift nur für Computergames zu machen?
MK: Das war ganz allein
meine Idee. Ich wußte, daß es möglich sein würde, kommerzielle Spiele ebenso
bewerten zu können (oder müssen) wie LPs und Singles (New Musical Express,
Sounds etc.). Allerdings wollte die „Gemeinschaft“, bestehend aus
Softwarehäusern und Verlegern gar nicht so recht daran glauben. Wie man weiß,
ging es eben doch - und das mit einem vernünftigen Konzept, immer den Focus auf
die Leserschaft zu setzen: Die Leser sollten nicht nur die ASM kaufen, nein, sie
sollten ein Magazin in den Händen halten, wo man sich wieder fand; quasi eine
„politische Heimat“ finden, wie man es heute ausdrücken würde. Und dies ging nur
über die „Kommunikation“ mit der Leserschaft (viele „objektive“ Berichte,
Feedback und einer bisweilen (für die Hersteller) derben Bewertung, wenn es
angebracht war. So etwas hatte zuvor keiner gewagt …
AJ: Wie hast du selbst
die Chancen für diese Zeitschrift vor der Erstausgabe
eingeschätzt?
MK: Nun, ich bin ein positiv denkender Mensch; und damals ein
noch größerer Optimist. Mit einem bunten Gemisch an Berichten, Infos, Portraits,
Leserbriefen usw. sollte es schon klappen. Bedenken hatte ich anfangs nur, was
die Inserenten anging. Denn zu Beginn wollte wirklich keiner nur eine einzige
Anzeige schalten. Also habe ich Anzeigen aus den englischen Medien in der ASM
abgedruckt. Und nach einigen Beschwerden der deutschen Händler haben diese dann
doch geschaltet!
AJ: Mich würde interessieren, wie
du den Schneider CPC 464 fandst und ob du auch denkst, dass dieser im
Grunde besser war als der C64.
MK: Als der Schneider auf den Markt kam,
konnte man die Software – bekanntlich – nur über Datasette laden. Darin
unterschied sich der CPC nicht von seinen Konkurrenten C-64 und ZX Spectrum.
Allerdings gab es grafisch besondere Leckerbissen, die weder Spectrum noch C-64
bieten konnten. Ich denke da nur an Ocean’s „Batman“. Einfach fantastisch für
diese Zeit. Leider aber konnte sich der Schneider (Firmenpolitik!) durch die
Abkehr der Programmierer, die fortan eigentlich nur noch für den C-64
arbeiteten, nicht durchsetzen. Schade eigentlich …
AJ: Welcher Homecomputer war für dich der beste (evtl. neben dem
Amiga)?
MK: Fürs Gaming ganz klar der Amiga, gefolgt vom Atari ST und dem
C-64. Wenn es ums Wordprocessing ging kam ich mit dem Atari ST besser zurecht.
Später, bis heute, geht wirklich nichts mehr ohne den PC.
AJ: Wie schätzt du die nachhaltige Wirkung der ASM auf
den deutschen Zeitschriftenmarkt ein?
MK: Oder gibt es für ihn keinerlei
Nachwirkungen?
Die ASM und die Powerplay waren wohl die besten
Multiformat-Magazine, die es (je) gab. Der Erfolg führte dazu, daß andere
„Fachmagazine“ aus dem Boden gestampft wurden. Viele aber waren mit Ausnahme des
Amiga-Jokers in den späten 80er Jahren nur Eintagsfliegen. In den 90ern
profitierte vor allem der Computec-Verlag von den „Vorreitern“ (Übernahme von
Layouts, spezifischen Inhalten und sprachlicher Darstellung …). Interessant
vielleicht nebenbei: Die Bezeichnungen „Adventure“ und „Konvertierungen“ stammen
aus (meiner) der ASM-Feder …
AJ: Welcher
Jahrgang bist du?
MK: Ich wurde am 20. Juni 1955 in Kassel
geboren.
AJ: Wie lange warst du bei der ASM und warum hast
du aufgehört?
MK: Ich begründete die ASM im Winter 1985 und verließ den
„Chefsessel“ 1991. Der Verlag war nicht mehr der, den ich von der Gründerzeit
kannte: Zu viele Machtspielchen, sowohl bei den Verantwortlichen als auch
innerhalb der Redaktion. Ich ahnte schon damals, daß es „die gute, alte ASM“
bald nicht mehr geben würde. Und: Sobald man das Gefühl hat, einen „Maulkorb“
verpaßt zu bekommen, wechselt man lieber das Lager …
AJ: Hast du auch für
andere Magazine geschrieben?
MK: Ja, unter anderen für den Amiga-Joker (eine
Giger-Story zu „Cyberdreams“, nebst Komplettlösung des Games.
AJ: Wie sieht
dein privater Hardware-Fuhrpark aus?
MK: Ich besitze: 2 PCs, 1 Amiga, 1
Spectrum, 2 PC-Engines, 2 PlayStation, Sega Mega Drive,
Megadrive-CD.
AJ: Bist du eher der Oldschooler (C64, Amiga, etc.)
oder eher ein Next-Generation-Freak (Xbox, PS2, etc.)?
MK: Ich bin zwar
„old“, aber kein Schooler, und mit der Next-Generation habe ich keinerlei
Probleme. Nein, um ganz ehrlich zu sein, sind meine absoluten Lieblingsspiele
nicht auf PC, Konsolen & Co, erhältlich. Die Top Five sieht nämlich bei mir
so aus:
Winter Games (C-64)
Summer Games (C-64)
Monty On The Run
(Spectrum & C-64)
Defender Of The Crown (Amiga & ST)
Bombjack
(Amiga)
AJ: Wie sah der Alltag als ASM-Redakteur aus?
MK: Diese Frage ist
sehr komplex. Ich kann sie Dir nicht in drei, vier Sätzen beantworten. Aber
vielleicht nur so viel: Es machte mir Spaß, mit jungen Leuten zu arbeiten,
mit `ner flotten Schreibe so wahr und ehrlich wie möglich, die Leser und Käufer
„zu bedienen“, sich immer über neue Inhalte des Magazins Gedanken zu machen und
sich mit den Freunden der Industrie, im In- und Ausland, nett zu unterhalten
…
AJ: Vermisst du die gute alte Zeit (Mitte 80er bis
Mitte 90er)?
MK: Wer vermißt nicht alte Zeiten, die wahrlich gut
waren???
AJ: Wie verdienst du momentan dein Brot?
MK: Ich arbeite
freiberuflich als Redakteur und Übersetzer von Ingame-Texten und
Handbüchern.
AJ: Hast du noch Kontakt zu anderen ASM-Redakteuren?
MK: Ja,
den habe ich. Am häufigsten treffe ich mich mit Klaus („Cruiser“) Segel. Des
weiteren stehe ich in telefonischem Kontakt mit Eva Hoogh, Hans-Jochim Amann,
Torsten Oppermann, Peter Braun oder Martina Strack.
AJ: Nach deiner Zeit bei der ASM warst du
ja, soweit ich mich erinnern kann, für Konami tätig. Wie waren
deine Erfahrungen, die Spielebranche mal von einem völlig anderen
Blickwinkel zu betrachten und kennen zu
lernen?
MK: Nun, auch diese
Tätigkeit auf der „anderen Seite“ des Business war äußerst lehrreich und
spannend für mich. Da ich als Product Manager tätig war, hatte ich auch einen
nicht unerheblichen Einfluß auf Spielinhalte. Letztendlich aber mußte ich nach
einigen Jahren erkennen, daß mein Herz doch für den Journalismus schlägt
…
AJ: Glaubst du, dass ein kleiner Verlag, auf solidem finanziellem
Fundament aufgebaut, heutzutage überhaupt noch eine Chance gegen die Großen
der Branche (IDG, Computec) hätte? Wie müsste deiner Meinung ein
neues Format aufgebaut sein, um überhaupt gegen die vorhandene Konkurrenz
bestehen zu können? Oder gibt es generell keine Chance für neue
Verlagshäuser, auf dem Markt Fuß zu fassen?
MK: Mein Gott, es gibt, so
glaube ich, immer eine Chance, sich gegen die Großen durchzusetzen. Was meistens
fehlt, ist Geld und die nötige Logistik (in allen Bereichen). Neue Ideen zu
kreieren, ist nicht so schwierig, denn die „Etablierten“ sind groß und damit
faul und fett geworden. Sie haben den Nachteil, sich nicht mehr aus ihren
Korsettstangen befreien zu können! Dafür haben sie gewaltige Vorteile: Geld,
feste Präsenz auf dem Markt und die Anzeigenkunden! Ich würde befürchten, daß
ein neues, echt fein ausgearbeitetes Konzept entweder „übernommen“, aufgekauft,
oder das Magazin einfach mit aller Macht vom Markt gedrängt wird. Aber, wer weiß
…?
AJ: Die Powerplay war sicherlich anfangs die größte Konkurrenz der ASM.
Ginge dieser Schlagabtausch mit
Markt und Technik immer korrekt und fair über
die Bühne?
MK: Im großen und ganzen bestand die sogenannte „Rivalität“ in
erster Linie nur zwischen den Verlagsleitern (Anzeigenkunden …). Die Redakteure
selbst blieben weitestgehend „unbeschadet“ …
AJ: Euer Testteam bestand ja
gerade am Anfang aus Leuten, die aus den verschiedensten Berufsrichtungen
kamen. Glaubst du, dass es heute für Neulinge schwerer geworden ist, in
der Branche als Redakteur Fuß zu
fassen?
MK: Ja, das waren noch gute
Zeiten!!! Die ausgebildeten und auszubildenden Redakteure hatten bei der ASM
„freie Hand“. Heute, so glaube ich, werden nur noch Leute berücksichtigt, die
über eine gute „Verbindung“ (Vitamin B) verfügen …
AJ: Die ASM war ja
immer sehr offen, sprich, es wurden ja auch absolute Exoten wie z.B. der
Dragon 32/64
berücksichtigt. War es manchmal sehr schwer, für
diese Rechner an Testmuster zu gelangen?
MK: Wir hatten überhaupt keine
Probleme, an Testmuster – auch für „Exoten“ – heranzukommen. Meine „Beziehungen“
waren von Vorteil …
AJ: Wie hat euch die Spiele-Industrie generell
behandelt? Hat man euch bezüglich der Bewertung von Spielen unter Druck
gesetzt? Wurdet ihr immer, gerade in eurer Anfangszeit, mit ausreichend
Testmustern seitens der Hersteller versorgt?
MK: Natürlich hat die
Industrie immer versucht, uns redaktionell unter Druck zu setzen. Ich habe aber
immer darauf hingewiesen, daß die KAUFENTSCHEIDUNG das wichtigste Kriterium ist.
Deshalb hatten die Radakteure stets die Aufgabe, „objektiv“ (wie immer man dies
werten mag …) zu berichten!
AJ: Was waren deine Lieblingssysteme während
deiner Zeit bei der ASM, gab es Computer und Konsolen, die du absolut
gehasst hast?
MK: Es gab natürlich „Lieblinge“, aber gehaßt haben KEIN
Computer- oder Konsolensystem!!!
AJ: Zurückblickend, innerhalb deiner Zeit
bei der ASM, gab es Dinge im zwischenmenschlichen Bereich die
dich besonders erfreut oder auch sehr negativ gestimmt haben? Warst du von
Verlagsmitarbeitern oder
bestimmten Kollegen besonders enttäuscht?
MK: Das
geht zu sehr ins Persönliche … Aber: Einige „unserer Redakteure“ glaubten am
Ende der „ASM-Zeit“ revolutionäre Ideen zum besten zu geben. Siehe Mats, Bernd,
Ulli & Co.!
AJ: Wie hast du vom endgültigen Ende der ASM erfahren
und wie war deine erste Reaktion diesbezüglich? Hat dich dieser
Tatbestand, obwohl du nicht mehr für die ASM bzw. den Verlag tätig warst,
besonders getroffen?
MK: Ich war sehr, sehr traurig, das darf man mir echt
glauben!
AJ: Würdest du jemals wieder für ein Spiele-Magazin tätig werden?
Könntest du es dir vorstellen, ein komplett neues Magazin aus dem Boden zu
stampfen, vorausgesetzt ein gewisses finanzielles Gefüge (sprich,
intakter Verlag) wäre vorhanden?
MK: Natürlich!!! Ein ganz klares JA!
Ideen und gutes Personal stünden SOFORT zur Verfügung!!!
AJ: Ich denke,
dass es nach wie vor sehr viele Fans der ASM gibt, es wäre also eine geneigte
Leserschaft
vorhanden. Denkst du ähnlich oder glaubst du, dass der Name
ASM zu viel von seiner Faszination verloren hat, um Käufer
anzuziehen?
MK: Ich erhalte heute noch im Schnitt pro Monat mindestens drei
Zuschriften per Mail. Deshalb glaube ich, daß die „ASM“ auch in einer modernen
Form einen unglaublichen Erfolg verbuchen könnte …
AJ: Gibt es ein aktuelles
Foto von dir oder irgendein exklusives Bild aus ASM-Zeiten, das du uns
zur
Verfügung stellen könntest?
MK: Ja, ich hab’ eins. Das werde ich Euch
in der Anlage beilegen!!!
AJ: Vielen Dank nochmals für Euer Interesse, und
auf gute Zusammenarbeit – wie auch immer – in der ZUKUNFT!!!
MK: CHEERIO
FOR NOW, Manni
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