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Interview mit Markus Ziegler
Redakteur




Hallo Markus, schön das ich Dich von diesem Interview überzeugen konnte. Deswegen wollen wir auch gleich mal loslegen...

AJ: Seit wann beschäftigst Du Dich eigentlich mit Computern und Konsolen und was sind Deine aktuellen Lieblingsspiele an PC, Amiga und Konsole?
MZ: Als alter Kindskopf habe ich natürlich schon immer gern gespielt (LEGO rockt!), in der Grundschule kamen dann die ersten Pong-Telespiele und Atari-2600-Games hinzu. Das war dann auch die erste und für lange Zeit einzige Spielekonsole, die sich mein Bruder und ich leisten konnten, das müsste irgendwann Anfang der 80er gewesen sein. Erst 1991 traten wir mit dem Amiga 500 ins Zeitalter der "modernen" 16-bit-Unterhaltung ein. Heute habe ich einen kompletten Konsolenfuhrpark sowie einen recht ordentlichen PC in meiner Wohnung stehen. Meine alten SCSI-
Amiga-Platten liegen derzeit einzeln in der Gegend herum und warten darauf, dass ich die Zeit finde, sie an den PC anzuschließen und meine alten Grafikdaten auszulesen...


Eigentlich spiele ich nur noch an den diversen Konsolen. Meine letzte Partie "Turrican 2" liegt sicher schon ein Jahr zurück. Auch der PC reizt mich nicht so - auf einem Bürostuhl zu sitzen und direkt in einen Monitor zu starren, ist einfach nicht mein Ding. Das letzte PC-Game, das ich wirklich komplett durchgespielt habe, war "Etherlords II". An den Konsolen wären da "Spiderman - The Movie 2" sowie das völlig bugverseuchte, aber trotzdem unterhaltsame "KOTOR" (beide Xbox) zu nennen. "DTM 2" darf ich gegen den Schamberger ja nicht mehr spielen, seit ich ihn über Xbox Live mal ordentlich versägt habe. Nebenbei versuche ich immer noch die Zeit für eine Online-Kampagne "Full Spectrum Warrior" (Xbox) und würdige Gegner für "Virtua Fighter 4 Evolution" (PS2) zu finden. Und jetzt gibts auch schon "Out Run 2"! Wo soll ich nur die Zeit für all die Spiele hernehmen?!

AJ: Bist Du eigentlich immer noch Redakteur für Computer Magazine oder gehst Du inzwischen einer anderen Beschäftigung nach?
MZ: Nachdem der Zeitschriftenmarkt Anfang 2001 am Boden lag, war es an der Zeit, sich nach etwas anderem umzusehen. Überraschenderweise schmiedete zu diesem Zeitpunkt ausgerechnet KOCH Media (ihr wisst schon, die mit dem grauenhaften Sumpfhuhn und Distributor vieler weiterer Software-Verbrechen) Pläne, sich mit ernsthaften Spielen ein neues Standbein zu schaffen. Mittlerweile haben wir mit Deep Silver eine ziemlich beeindruckende Range von Titeln an Land gezogen (X2, Chrome, Etherlords II, TrackMania, Earth 2160, um nur einige zu nennen) und vertreiben die meisten JoWooD-Titel (darunter "Gothic II") in Deutschland. Manchmal treibt mich der Job hier genauso zur Verzweiflung wie seinerzeit beim Joker, aber alles in allem ist es doch schön, zur Abwechslung mal etwas Konstruktives zu leisten.

AJ: Du warst ja auch mal Redakteur beim berühmten Joker Verlag. Wann hast Du dort eigentlich angefangen und bei welchen Magazin (Amiga Joker, PC Joker, Multimedia Joker, Megablast, Sonderhefte, etc.) hast Du mitgewirkt?
MZ: Ich hatte meinen ersten Arbeitstag am 1.11.1995 und habe von da an allen Publikationen mitgewirkt. Zunächst natürlich am Amiga Joker, da ich vom Rest ja keine Ahnung hatte (ich besaß auch bis 2001 keinen PC!). Dann kamen aber schnell PC Joker, Multimedia Joker und später die Online-Kompakt-Hefte (erinnert sich noch jemand an die?) hinzu.

AJ: Wie bist Du damals überhaupt zum Joker Verlag gekommen?

MZ: Ich erfüllte die Grundvoraussetzung: ein abgebrochenes Studium. Aber im Ernst, Informatik zu studieren ist wohl so ziemlich das langweiligste, was man sich vorstellen kann. Davon hatte ich nach zwei Jahren genug, und dann stellte sich die Wahl: ein Lehramt-Studium in Tübingen oder eine Bewerbung beim Joker Verlag. Etwas anderes kam nicht in Frage, denn ohne pathetisch klingen zu wollen - der Amiga Joker hatte einfach zeit seines Lebens keine ernst zu nehmende Konkurrenz. Meine Bewerbungsunterlagen enthielten damals gleich noch einen selbst gezeichneten Joker-Comic, und damit war meine weitere berufliche Laufbahn vorgezeichnet...

AJ: Wie würdest Du rückblickend das Klima beim Joker Verlag beschreiben? Als ehemaliger Joker-Leser kam es mir immer so vor als wäre der Joker Verlag der lustigste und bunteste Ort gewesen den man sich vorstellen kann. War dem so?
MZ: Vermutlich nicht, denn fast alles ist lustiger als Arbeit. Aber unter den Arbeitsplätzen, die ich so kenne, war es mit Sicherheit der lustigste und bunteste Ort. Es gab natürlich auch Unterschiede zwischen dem peniblen Steffen und dem chaotischen Paul, was die Farbvielfalt auf dem Schreibtisch angeht, aber alles in allem war es doch eine sehr familiäre und angenehme Atmosphäre.

AJ: Hast Du noch Kontakt zu den ehemaligen Joker-Redakteuren?

MZ: Mehr oder weniger. Es ist fast unmöglich, den ganzen Fratzen aus dem Weg zu gehen. Mit zwei davon (Joe und Steffen) arbeite ich sogar zusammen - womit hab' ich das nur verdient?


AJ: Alljährlich findet ja der berühmte "Adlertag" in der Nähe von München statt, wo sich die ehemaligen Joker-Redakteure treffen und vermutlich auch über die alten Zeiten sprechen. Nimmst Du an diesen Treffen auch teil?
MZ: Wenn ich nicht einen anderen Deppen dafür finde, bleibt sogar die Organisation wieder an mir hängen. Ist aber halb so wild. Man trifft sich in einer gemütlichen Kneipe, und dann wird fleißig getrunken und gequatscht.


AJ: Warst Du eigentlich bis zum bitteren Ende beim Joker Verlag oder hast Du schon vorher das sinkende Schiff verlassen und wie hast Du persönlich das Ende des Jokers empfunden?
MZ: Das war schon ziemlich schlimm. Zum ersten Mal war ich richtig arbeitslos. Und ausgerechnet an jenem Mittwochmorgen war ich morgens um vier Uhr (!) schon aufgestanden, um die Leserbriefseiten fertigzuschreiben. Die Arbeit hätte ich mir mal glatt sparen können...

AJ: Hast Du noch einige Joker Hefte oder sind sie inzwischem dem Altpapier zum Opfer gefallen?

MZ: In meinem Keller lagern alle Amiga-Joker-Hefte und die meisten PC Jokers (alle bis auf die ersten beiden, glaube ich). Dazu noch die anderen Hefte, an denen ich mitgearbeitet habe. Tjaja, die menschliche Eitelkeit und ihre Folgen.


AJ: Dir ist bestimmt nicht entgangen das es von April 2003 bis März 2004 ein Spielemagazin Namens "Der neue PC Joker" gab (www.pc-joker.net) das nichts mit dem alten Joker zutun hatte. Auch er ist inzwischen untergegangen. Wie war Deine Meinung zu diesem "Relaunch" des PC Joker?

MZ: Hm. Über die Toten sollte man ja nur Gutes sagen. Also, das Magazin WURDE zum Schluss hin besser. Gelesen hab' ichs aber trotzdem nicht. Irgendwie fehlte der leicht anarchische Joker-Touch, der bei uns dadurch zu Stande kam, dass eben jeder Redakteur seinen eigenen Stil hatte und seine Tests auch mal anders aufziehen konnte. Man muss aber zugeben, dass auch bei uns damals nicht alles Gold war, was in unserer Erinnerung hübsch glänzt...

AJ: Bist Du, was Computer- und Videospiele betrifft, eher der "Oldschool'er" der sich noch vom Amiga oder C64 begeistern lassen kann oder gehörst Du eher zu den Next Generation-Zockern die lieber am High-End-PC oder an der PS2 zocken?
MZ: Schwer zu sagen. Im Moment bin ich begeistert von "Gradius V", einem klassischen Retro-Shooter in aktueller 3D-Grafik. Generell mag ich viele der "alten" Spielkonzepte (Beat'em Ups, Renn- und Rollenspiele), aber dann bitte in einer modernen Aufmachung. "Lotus 2" war damals ja toll, aber heute muss es eben ein "Gran Turismo 3" oder ein "DTM 2" sein. "Monkey Island" war gestern, im 21sten Jahrhundert erwarte ich mir so etwas wie "Shenmue". Womit ich relativ wenig anfangen kann, sind die immer gleichen Ego-Shooter und Echtzeit-Strategiespiele. "Far Cry" langweilt sich noch immer auf meiner Festplatte. Sieht ja super aus, aber nach dem ersten Level war die Luft irgendwie raus...

AJ: Wie sieht Dein privater Hardware-Fuhrpark aus? Hast du noch alte Rechner wie C64, Atari oder Amiga?

MZ: Hm. Am besten mach' ich kurz eine Liste:
Atari 2600: Im Büro (ehrlich).
Super Nintendo: Bei meinem Bruder, für gelegentliche Street-Fighter-II-Turbo-Matches.
Amiga 500: Im Keller.
Neo-Geo, Sega Saturn, PlayStation: Auf Abruf im Regal.
Dreamcast, PlayStation 2, GameCube, Xbox: Angeschlossen.
3GHz-PC zum Zeichnen, Surfen und (beruflichen) Spiele-Testen.
Ach ja, ein GBA mit AfterBurner-Umbau liegt auch noch rum, den benutz' ich aber so gut wie nie.


AJ: Was ist eigentlich aus den ganzen Spielen geworden, die sich damals in Joker-Archiv befanden?
MZ: Gute Frage, zumal ich der amtierende Archiv-Wart war. "Wings" (Archiv-Nummer 50) hab' ich noch schnell abgegriffen, bevor das Licht ausging, der Rest ist wohl in die Insolvenz-Masse eingeflossen. Ich vermute mal, das meiste wurde weggeworfen. Schade eigentlich, denn wir hatten in der Branche das am weitesten zurückreichende Spiele-Archiv...

AJ: Hast Du mit dem Thema "Joker" abgeschlossen oder denkst Du doch gelegentlich mal an die guten, alten Zeiten zurück?

MZ: Der Joker ist Vergangenheit. Heute wäre so ein Heft allein aus wirtschaftlicher Sicht schon undenkbar. Was ich natürlich etwas schade finde, denn die meisten etablierten Hefte stellen die trockene Information über den Unterhaltungswert ihres Magazins.

AJ: Was hälst Du von der Idee AmigaJoker.de bei dem es u.a. auch um rund um das Thema Joker Verlag geht? Würdest Du Dich dort ggf. mal als Ehrengast sehen lassen?
MZ: Nichts gegen Euch, und wenn sich nach dieser doch recht langen Zeit noch immer Fans zum Gedankenaustausch finden - schön. Für mich ist der Joker aber doch ein Lebensabschnitt, den ich hinter mir gelassen habe, und mal ehrlich: Was gibt es heute noch zu diesem Thema zu sagen, was nicht schon hundertmal gesagt wurde? Hinzu kommt, dass ich kein typischer Forumsbesucher bin. Wenn sich also jemand dafür interessieren sollte, was ich heute so mache (und ehrlich gesagt, bezweifle ich das), kann er sich auf http://www.bad-karma.de umsehen und mir seine Kommentare schicken. Wenn er dann über alte Zeiten reden will, warum nicht...

AJ: Markus, ich bedanke mich für das nette Interview und wünsche Dir weiterhin alles Gute und viel Erfolg für die Zukunft!









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Publiziert am: 2006-12-09 (3336 mal gelesen)

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